Capitato
Das Capitato ist ein Säugetiere der Unbekannten Lande. Sein Name leitet sich aus einer Mischung des gewöhnlichen Capybara sowie der sorridianischen Bezeichnung für bezahnte Tiere ab. Eine andere Benennung in den anderen Sprachen Leändriens ist nicht erfolgt, sodass es auch hier Capitato genannt wird. Die ersten Aufzeichnungen über die Art stammen von dem Naturkundler Nicoló Li Boni. Ihm soll an der Küste der Kolonie Apacista an einem lauen Sommerabend eine Sichtung der Tiere im Frühjahr 1361 AD gelungen sein.
Beschreibung
Die Tiere vereinen bereits auf den ersten Blick die eher behäbige Statur eines gewöhnlichen Capybaras mit der deutlich größeren Kraft und Wehrhaftigkeit eines Wildschweins. Ihre Körper sind von einem dichten, borstigen Fell bedeckt, das in erdigen Braun- und tiefen Rottönen schimmert. Je nach Verfassung ist dieses von einer schützenden Kruste aus Schlamm oder Algen überzogen ist. Teilweise kann auch eine sich abgesetzte Salzkruste an den Haaren erkennbar sein. Unter dem verwertbaren Fell der Tiere verbirgt sich eine starke Muskulatur, die besonders im Kiefer- und Beinbereich ausgeprägt ist. Das markanteste Merkmal der Capitatos sind jedoch die verlängerten, dolchartigen Schneidezähne, die wie Hauer aus dem Maul ragen. Diese Zähne dienen vorrangig zum Zerteilen und Zerkleinern von Nahrung, werden von den Tieren jedoch auch zur Verteidigung verwendet. Dank ihrer kraftvollen Kiefer können sie die Zähne tief in das Fleisch möglicher Widersacher schlagen und tiefe Wunden zufügen. Weitergehende Beobachtungen nach dem Verschwinden Li Bonis haben gezeigt, dass sich Capitatos mit ihren Zähnen in ihren Feinden verbeißen können. Nach dem Tod der Tiere verhärten die Kiefermuskeln so sehr, dass das Maul nicht mehr zu öffnen ist und allzu oft auch die Jäger so mit in einen langsamen Tod gerissen werden können.
In den Tiefen des tropischen Dschungels sowie der Küstenregionen der Unbekannten Lande bewohnt das Capitato die schlammigen Uferregionen von Lagunen und weitverzweigten Flusssystemen. Auch Mangrovenwälder sind eine bevorzugte Heimat der Tiere. Capitatos sind dabei jedoch nicht an das Süßwasser gebunden. Sie sind exzellente Schwimmer, die aufgrund der Fettschichten im Bauchbereich beinahe mühelos auf der Wasseroberfläche treiben können. Mit seinen kräftigen Beinmuskeln gelingt es den Tieren langsam, aber stetig etwaige Meeresströmungen zu durchqueren, um zwischen Inselketten zu pendeln oder an Küstenabschnitten nach Nahrung zu suchen. Seine Lebensweise ist dabei von einer sozialen Struktur geprägt, die der von Capybaras ähnelt. In kleinen, festen Familienverbänden ruhen die Tiere tagsüber im dichten Ufergebüsch oder suhlen sich in seichten Gewässern. Einige Beobachter behaupten dabei gar, dass sie eine stoische bis majestätische Ruhe ausstrahlen würden.
Diese Ruhe ist jedoch für manchen Jäger trügerisch. Im Gegensatz zu seinen friedfertigen Verwandten ist das Capitato ein opportunistischer Allesfresser. Während seine tägliche Nahrung primär aus Wasserpflanzen, saftigen Farnen und Wurzeln besteht, verschmäht es weder proteinreiches Aas noch Krustentiere oder kleinere Wirbeltiere. Mit seiner Schnauze gräbt das Tier im trüben Wasser umher, um die gefundene Beute anschließend mit den Zähnen langsam auseinanderzuziehen bzw. zu knacken. Die Familienverbände wandern dabei weitgehend gemeinsam und fressen über ihre gesamte aktive Morgen- und Dämmerungsphase. Auch gegenüber möglichen Feinden wehren sie sich gemeinsam.
Verhalten
Das soziale Gefüge und das Verhalten des Capitato sind vom Leben in der tendenziell gefährlichen Umgebung tropischer Dschungel und unberechenbarer Küstengewässer geprägt. Die Tiere leben in festen Familienverbänden, den sogenannten Suhlen, die meist aus sechs bis fünfzehn Individuen bestehen. An der Spitze einer solchen Gruppe steht in der Regel ein erfahrenes Leitweibchen, während die kräftigsten Männchen die äußeren Flanken absichern. Innerhalb der Gemeinschaft einer Suhle herrscht eine ausgeprägte soziale Fürsorge, die sich vor allem in der stundenlangen gegenseitigen Fellpflege äußert. Dabei befreien sie sich nicht nur von Parasiten, sondern reinigen auch Wunden, was die Bindung innerhalb der Herde festigt und das Überleben des Einzelnen sichert. Besonders nach dem Schwimmen im Meer wird das Fell gegenseitig intensiv von möglichen Salzresten befreit.
Tritt eine Bedrohung durch ein Raubtier oder einen Eindringling auf, schlägt die vorherige Ruhe der Herde augenblicklich in ein koordiniertes Schutzverhalten um. Anders als ihre friedfertigen Verwandten, die oft die Flucht ergreifen, formieren sich Capitatos zu einer defensiven Runde. In einer kreisförmigen Formation werden Jungtiere und geschwächte Mitglieder in die Mitte getrieben, während die erwachsenen Tiere mit gesenkten Köpfen und entblößten Hauern nach außen rücken. Ein tiefes, kehliges Grollen, das den Boden in unmittelbarer Nähe vibrieren lässt, dient als finale Warnung. Bleibt der Angreifer hartnäckig, geht die Gruppe zu einem gemeinsamen Ausbruch über, bei dem sie ihre massigen Körper als Rammböcke einsetzen und mit gezielten Bissen ihrer dolchartigen Zähne schwere Verletzungen zufügen. Die im Verteidigungsverhalten gezeigte Intelligenz setzt sich in ihrem Verhalten im Wasser fort. Bei Wanderungen zwischen Inseln schwimmen sie in einer langgezogenen Kette, wobei die erfahrensten Schwimmer die Strömung für die Jüngeren brechen und die Gruppe durch rhythmische Schnaubgeräusche und Klicktöne zusammenhalten, die über weite Strecken über die Wasseroberfläche getragen werden.
Die Kommunikation innerhalb der Suhle ist dabei durchaus komplex. Erste Forschungen haben gezeigt, dass sie weit über einfache Warnrufe hinausgeht. Selbst die Rangordnung innerhalb der Männchen wird durch ritualisierte Verhaltensweisen geklärt, bei denen sie sich gegenseitig mit den Schultern wegdrücken oder durch Imponiergehabe ihre Hauer präsentieren, ohne die Gruppe durch unnötige Kämpfe zu schwächen.
